Krankheiten im Team bekämpfen

 

Ein gesundes Leben für alle Menschen, dieses Ziel muss Ergebnis einer nachhaltigen Entwicklung sein.

Weltweit vernetzen sich Forschende auf der Suche nach innovativen Antworten auf die großen gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Wir stellen zwei europäische Konzepte vor.

IDOH+

Innovativer Erasmus-Masterstudiengang für den Kampf gegen Infektionskrankheiten

Von der Pest über die Spanische Grippe bis hin zu Corona: Auslöser aller großen Pandemien waren Erreger, die Tiere besiedeln und auf den Menschen überspringen. Sogenannte zoonotische Ereignisse wie die SARS-CoV-2-Pandemie zeigen, wie wichtig die Vermittlung von gesundheitsrelevantem Wissen und Kompetenz für die nächste Generation in der Wissenschaft ist. Infektionskrankheiten und Gesundheitsrisiken an der Schnittstelle von Mensch, Tier und Ökosystemen stehen im Mittelpunkt des „One Health“- Konzepts, mit dem das Konsortium Infectious Deseases and One Health (IDOH+) den Grundstein für ein weltweites, multidisziplinäres Netzwerk legt. Die Université de Tours, die Universitat Autònoma de Barcelona und die Medizinische Hochschule Hannover zählen zu den führenden forschungsorientierten Universitäten Europas auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten. Gemeinsam entwickelten sie einen innovativen Masterstudiengang mit einem gemeinsamen Abschluss, der IDOH+ Studierenden umfassende Fachkenntnisse im weltweiten Kampf gegen Infektionskrankheiten vermittelt. Von der Einordnung des Infektionsgeschehens über die frühe Phase der klinischen Forschung bis hin zur Impfstoffentwicklung lernen sie den gesamten Prozess kennen.

Tours ist schon seit der Renaissance ein Zentrum des Wissens: Die Université de Tours hat unter anderem in der Molekularbiologie einen hervorragenden Ruf.

Jede der Partnerhochschulen bringt andere Forschungsschwerpunkte in die Zusammenarbeit ein. „Barcelona forscht schon lange an Kamelen und hat zoonotische Erkrankungen seit Jahren auf der Agenda“, erklärt Dr. Jens Bohne, Projektkoordinator an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die deutsche Hochschule bringt eine ausgeprägte Expertise im Bereich der Humanmedizin mit, die Partner aus Tours wiederum sind besonders stark auf dem Gebiet der Molekularbiologie. 24 Teilnehmende aus 16 Nationen beginnen zum Wintersemester 2020/21 ihr Masterstudium in Frankreich, wo Präsenzveranstaltungen ab Herbst wieder erlaubt sein werden. Im Januar geht es in Barcelona weiter, anschließend in Hannover. Die fortlaufende Rekrutierung von Bewerberinnen und Bewerbern aus allen Teilen der Welt erfolgt per Skype. Ein von der Université de Tours entwickeltes Punktesystem legt Parameter wie Praktika, Studienabschluss oder mögliche Berufserfahrung zugrunde.

Was den Studiengang besonders auszeichnet, ist das Training im Labor. „Unsere Masterstudierenden werden intensiv geschult und lernen durch experimentelles Arbeiten, wie Erreger auf molekularer Ebene funktionieren“, so Bohne. Das Hochschulnetzwerk ermögliche ihnen nicht nur verschiedene Perspektiven auf Europa, sondern auch einen differenzierten Blick auf die Gesundheitswissenschaften. „Unsere Absolventinnen und Absolventen nehmen aus dem Studium ein breites Wissen mit nach Hause.“

 

EUGLOH

Europäische Hochschulallianz

Fünf Universitäten, ein Ziel: „Wir wollen den Campus von morgen bilden, der europaweit stattfindet“, erklärt Philipp Beck. An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) koordiniert er das Netzwerkprojekt European University Alliance for Global Health (EUGLOH). Im Verbund mit den Universitäten Paris-Saclay (Frankreich), Lund (Schweden), Porto (Portugal) und Szeged (Ungarn) arbeiten die Münchner über Disziplinen hinweg eng mit den Hochschulpartnern zusammen, vor allem in Studium und Lehre zu „Global Health“. Jede der fünf Universitäten bringt eigene Expertise mit. Diese Ressourcen zu nutzen, Synergien zu schaffen und Studierenden künftig einen hochschulübergreifenden Weg ins Studium zu bahnen, darum geht es den Partnern. Als eine von 41 Europäischen Hochschulallianzen werden sie von der EU über eine dreijährige Projektphase mit einer Gesamtsumme von bis zu fünf Millionen Euro gefördert.

Treffen in Paris vor der Coronakrise: Vertreterinnen und Vertreter der Partneruniversitäten des EUGLOH-Netzwerks

Von 2021 an wird die Initiative im Rahmen der neuen Erasmus+ Programmlinie ausgebaut. „Der Austausch auf virtueller Ebene ist intensiv und regelmäßig“, sagt Projektmanager Beck. Rund 900 Teilnehmende besuchten bisher die gemeinsamen Veranstaltungen. „Ein universitätsübergreifendes Modul zum Thema Global Health befindet sich in der Entstehung, mittelfristig sind auch gemeinsame Studiengänge geplant.“ Unter dem Namen EUGLOHRIA (EUGLOH Research & Innovation Action) erweitert das Konsortium den Bildungs- und Mobilitätscharakter des Netzwerks um eine weitere Forschungsdimension. „Wir wollen innerhalb der Allianz aktiv Kooperationsmöglichkeiten in Forschung und Innovation initiieren“, erklärt Beck. So sollen im Bereich Covid-19 die Forschungsaktivitäten zwischen den Partneruniversitäten aufeinander abgestimmt und universitätsübergreifende „Business-Academia Networks“ geschaffen werden.

 


Autorin: Gunda Achterhold